Monatsarchiv: Mai 2014

Abschied nehmen

Gestern bekam ich die Nachricht, dass mein bester Freund gestorben ist. Seit der Jugendzeit sind wir eng verbunden. Wir leiteten gemeinsam die Pfadfinder in unserer Kirchengemeinde. Wir gaben eine Zeitschrift heraus. Wir schrieben, planten und führten zahlreiche Veranstaltungen durch.
Er wurde Lehrer im Gymnasium, war dort äußerst engagiert. Ein Bilderbuch-Lehrer. Für seine Schüler tat er alles. Er war unglaublich klug und hatte ein umfangreiches Wissen, das ich immer bewunderte. Vor wenigen Monaten ging er vorzeitig in den Ruhestand. Er blieb zeitlebens unverheiratet, lebte ganz für den Beruf. Und er hatte ein sehr, sehr enges Verhältnis zu seinen Eltern und seinem Bruder.

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Ausschnitt eines Bildes von Siegfried Fietz

Seit weit über 20 Jahren fuhren wir beide ein oder zweimal im Jahr zu unseren Wandertouren. Doch in den letzten Jahren sagte er oft gegen Mittag: „Zieh noch einmal allein los, ich ruh mich im Hotel aus.“
Was war passiert? Weiterlesen

„Slow food“ für Geist und Seele

Bald ist es für viele von uns wieder soweit: Endlich Urlaub, endlich ein paar Tage zum Ausspannen, endlich Ruhe und Frieden! Auszeit, Abstand vom Druck des Alltags, von den vielen Aufgaben und der längst unüberschaubaren Informationsflut. Geht es Ihnen und Euch auch so?

Doch auch in der Auszeit besteht die Gefahr, zu viel zu wollen, zu viel zu unternehmen – immer in Bewegung, auf der Flucht vor sich selbst.
Als Freddy Derwahl für ein Buchprojekt verschiedene Klöster in Frankreich besuchte, nahm er sich vor, das einfache Leben der Mönche und Nonnen zu teilen – die Stille, die Gebete, den Weg in die eigene Tiefe. Doch es gelang ihm nur teilweise, Abstand von seinem Leben draußen in der Welt zu halten: „Es sind lange Nächte, die nach dem ‚Salve Regina’ um 20.20 Uhr beginnen. Mein breites Bett hat eine leichte, südwestliche Neigung. Das Licht ist schwächlich und auf dem Nachttisch stapeln sich die mitgeschleppten Bücher …“ (Derwahl, Gottsucher).

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Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Ich kenne das, die Suche nach Informationen. Hier noch Weiterlesen

Ich sitze oder stehe (Vom Beten)

Beim Beten den Kopf tief nach unten beugen? Die Augen schließen, die Hände falten? So habe ich es schon als Kind gelernt. So ist es mir vertraut. Und diese Gebetshaltung erlebe ich auch in den meisten Gottesdiensten.

Doch es geht auch anders. In etlichen Gemeinden (z.B. charismatischen, pfingstlichen) stehen die Menschen auf, wenn sie zu Gott beten, sie öffnen die Hände, als würden sie jetzt etwas vom Himmel empfangen.
Nach alten Abbildungen aus frühchristlicher Zeit zu schließen, war das eine verbreitete Gebetshaltung der ersten Christen. Mich fasziniert das – obwohl es mir immer noch fremd ist.

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Foto: M.E. / pixelio.de

Der Theologe Jürgen Moltmann schreibt: „Was bringen wir zum körperlichen Ausdruck, wenn wir die Hände falten, den Kopf senken und die Augen niederschlagen? Wir gehen in uns, nehmen eine Büßerhaltung ein und sind wie im Schmerz in uns selbst verkrümmt. Weiterlesen

Das Geheimnis der Dankbarkeit

„Als Christ solltest du dankbar sein!“ Wie oft ist dieser Satz zu hören! Mancher zieht dabei wohl den Kopf ein und denkt sich: „Dankbar sein und zufrieden mit allem, was mir vorgesetzt wird? Das fehlt mir gerade noch.“
Wir alle haben wohl noch die Ermahnung der Mutter in Erinnerung, als die Tante zu Besuch kam und etwas mitbrachte. „Nun bedank dich aber auch schön!“

Mir fällt dabei eine Geschichte aus dem Neuen Testament ein. Jesus kam in ein Dorf. In weiter Entfernung waren zehn Männer zu sehen. Sie riefen so laut, dass es jeder hören konnte: Jesus, erbarme dich! Warum kamen sie nicht näher? Sie hatten eine ansteckende Krankheit. Deshalb waren sie verbannt und mussten außerhalb der Gesellschaft leben. Sie durften ihre Höhle und das eingegrenzte Gebiet nicht verlassen. Sie waren vom Leben abgeschnitten.
Jesus hatte Mitleid mit ihnen. Er sagte: Geht zu den Priestern (die fungierten damals als eine Art Gesundheitspolizei und entschieden, wann jemand die Quarantäne verlassen durfte). Und auf dem Weg dorthin wurden sie tatsächlich gesund.

Dieter Schütz / pixelio
Foto: Dieter Schütz / pixelio

Was müssen die dankbar gewesen sein! Doch von den zehn Männern, die geheilt waren, kam nur einer hinterher zu Jesus, um ihm zu danken. Jesus wunderte sich darüber. Warum nur einer? Wo sind die anderen? Er sagte zu dem einen Mann: Dein Glaube hat dir geholfen! (Lukas 17,11-19)

Jesus hatte mit mehr Dankbarkeit gerechnet? Braucht er das? Weiterlesen

Ist Gott eine Person?

„Glaubst du an einen persönlichen Gott?“, so werde ich immer wieder gefragt. Ein persönlicher Gott? Ist Gott eine Person? Oder ist Gott eher das „Prinzip Liebe“? Ist Gott die Urkraft, die alles bewegt, oder ist er „pures Bewusstsein“? Ist Gott in jedem Menschen oder ist überhaupt alles Gott? Und schon raucht mir der Kopf.

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Foto: Xenia Kehnen  / pixelio.de

Ein persönlicher Gott – mancher hat dabei immer noch die Vorstellung von einem allmächtigen Vater, der über den Wolken auf einem Thron sitzt und uns mit Höllendrohungen einschüchtert. Dieses Bild von Gott kann Menschen kränken und erniedrigen. Mit einem übermächtigen Vater, der ständig kontrolliert, kann kein Mensch erwachsen werden.

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Trost oder Vertröstung?

Lange war Herr B. nicht mehr in der Kirche gewesen. Jetzt zog es ihn fast magisch dorthin, mitten in der Woche. Vor wenigen Tagen war seine Frau nach einem Streit aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Er zündete eine Kerze an, setzte sich in eine Bank und bedeckte seine verweinten Augen mit den Händen.
Ob er Trost bei Gott suchte, so wie er damals als Kind Trost bei seiner Mutter gesucht hatte? Oder wollte er Gott dazu bewegen, seine Frau zu ihm zurückzubringen?
Es gibt Menschen, die den Glauben als Zufluchtsort für Verlierer ansehen. Manche Religionskritiker sehen im Glauben generell nur eine billige Vertröstung.

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Foto: Rosel Eckstein  / pixelio.de

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Muss ich das glauben?

Du hörst etwas und bist skeptisch. Und du fragst, ob du das glauben musst. Glaubst du, dass es Leben auf anderen Planeten gibt? Glaubst du, dass Jona im Bauch eines Wales war? Glaubst du, dass es morgen regnet?

Mit Glauben haben diese Fragen nichts zu tun. Es geht darum, ob du etwas für wahr hältst. Harvey Cox beschreibt in seinem Buch „Die Zukunft des Glaubens“, wie die ersten Christen ihr ganzes Vertrauen auf Jesus und Gottes Liebe setzten.
Doch aus dem lebendigen Glauben wurde mehr und mehr eine Religion des Fürwahrhaltens. „Aus einer kraftvollen Glaubensbewegung wurde eine starre Phalanx aus vorgeschriebenen Glaubensüberzeugungen.“ Es wurden immer mehr Dogmen festgelegt, die jeder Christ für wahr halten musste.

Christlicher Glaube, so wie ich ihn verstehe, heißt nicht, dieses oder jenes für wahr zu halten. Glauben heißt, dem Gott der Liebe zu vertrauen und Jesus auf seinem Weg des Lebens, der Zuwendung und des Friedens nachzufolgen.