Das Geheimnis der Dankbarkeit

„Als Christ solltest du dankbar sein!“ Wie oft ist dieser Satz zu hören! Mancher zieht dabei wohl den Kopf ein und denkt sich: „Dankbar sein und zufrieden mit allem, was mir vorgesetzt wird? Das fehlt mir gerade noch.“
Wir alle haben wohl noch die Ermahnung der Mutter in Erinnerung, als die Tante zu Besuch kam und etwas mitbrachte. „Nun bedank dich aber auch schön!“

Mir fällt dabei eine Geschichte aus dem Neuen Testament ein. Jesus kam in ein Dorf. In weiter Entfernung waren zehn Männer zu sehen. Sie riefen so laut, dass es jeder hören konnte: Jesus, erbarme dich! Warum kamen sie nicht näher? Sie hatten eine ansteckende Krankheit. Deshalb waren sie verbannt und mussten außerhalb der Gesellschaft leben. Sie durften ihre Höhle und das eingegrenzte Gebiet nicht verlassen. Sie waren vom Leben abgeschnitten.
Jesus hatte Mitleid mit ihnen. Er sagte: Geht zu den Priestern (die fungierten damals als eine Art Gesundheitspolizei und entschieden, wann jemand die Quarantäne verlassen durfte). Und auf dem Weg dorthin wurden sie tatsächlich gesund.

Dieter Schütz / pixelio
Foto: Dieter Schütz / pixelio

Was müssen die dankbar gewesen sein! Doch von den zehn Männern, die geheilt waren, kam nur einer hinterher zu Jesus, um ihm zu danken. Jesus wunderte sich darüber. Warum nur einer? Wo sind die anderen? Er sagte zu dem einen Mann: Dein Glaube hat dir geholfen! (Lukas 17,11-19)

Jesus hatte mit mehr Dankbarkeit gerechnet? Braucht er das? Braucht Gott unsere Dankbarkeit? So wie die Tante, die uns damals Schokolade mitgebracht hat?

Ich sehe es so: Der Mann, der seine Gesundheit wieder bekommen hatte, war zurück im Leben. Er konnte sich wieder frei bewegen, singen, tanzen, küssen, streicheln, bauen, lachen. Er konnte jeden Tag genießen. Dankbarkeit heißt, das alles zu sehen und zu fühlen: meine Möglichkeiten, meine Freude, meine Liebe, meinen Glauben.
Dankbar sein heißt: Ich bin lebendig. Dankbarkeit kommt nicht vom Kopf, sondern „von Herzen“. Dankbarkeit ist keine Pflicht, sondern der Schlüssel zur Fülle des Lebens.
(Ich habe mal gesammelt, wofür wir dankbar sein können. So entstand mein Buch „99 gute Gründe, dankbar zu sein“.)

Vor einiger Zeit traf ich einen Bekannten bei uns in Lüneburg. Er hatte sichtlich schlechte Laune, weil es gerade regnete. Ich versuchte, ihn aufzuheitern: „Wir können ja dankbar sein, dass die ganze letzte Woche die Sonne schien.“ Seine Antwort: „Ich bin Atheist. Ich hab keinen, dem ich dankbar sein kann!“ Fast hätte ich gesagt, dass die Sonne doch auch für ihn scheint. Aber das habe ich mir verkniffen. Warum eigentlich?

Eine Antwort zu “Das Geheimnis der Dankbarkeit

  1. Es gibt in uns eine innere Stimme, auf die wir hören könnten, wenn wir es nur gelernt hätten. Wenn wir Mut fassen, auf diese zu lauschen, sie wahrzunehmen und das, was sie uns zu tun anbietet, umsetzen, könnte sich etwas mehr in unserer Welt bewegen. Vielleicht wäre der Mensch in deiner Geschichte über den Gedanken gestolpert und ins Nachdenken gekommen… Vielleicht. Wenn…

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