„Slow food“ für Geist und Seele

Bald ist es für viele von uns wieder soweit: Endlich Urlaub, endlich ein paar Tage zum Ausspannen, endlich Ruhe und Frieden! Auszeit, Abstand vom Druck des Alltags, von den vielen Aufgaben und der längst unüberschaubaren Informationsflut. Geht es Ihnen und Euch auch so?

Doch auch in der Auszeit besteht die Gefahr, zu viel zu wollen, zu viel zu unternehmen – immer in Bewegung, auf der Flucht vor sich selbst.
Als Freddy Derwahl für ein Buchprojekt verschiedene Klöster in Frankreich besuchte, nahm er sich vor, das einfache Leben der Mönche und Nonnen zu teilen – die Stille, die Gebete, den Weg in die eigene Tiefe. Doch es gelang ihm nur teilweise, Abstand von seinem Leben draußen in der Welt zu halten: „Es sind lange Nächte, die nach dem ‚Salve Regina’ um 20.20 Uhr beginnen. Mein breites Bett hat eine leichte, südwestliche Neigung. Das Licht ist schwächlich und auf dem Nachttisch stapeln sich die mitgeschleppten Bücher …“ (Derwahl, Gottsucher).

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Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Ich kenne das, die Suche nach Informationen. Hier noch eine Hintergrundgeschichte, dort eine „wichtige“ Abhandlung, und das Ganze noch aus Sicht eines Historikers, eines Neurowissenschaftlers und eines Philosophen. Das Tempo bleibt, immer mehr und immer schneller, aber nichts kommt wirklich bei mir an.

Also gar nichts lesen in der Auszeit? Meine besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich an einem langen Tag nur einen einzigen Text gelesen habe, ein Gedicht, ein kurzes Kapitel. Es sind ganz besondere Texte, die soviel Substanz haben, dass sie einen ganzen Nachmittag oder eine lange Nacht füllen können. Texte, die nur langsam ins Herz vordringen, noch einmal probiert und gekaut – „Slow words“ für Genießer.

Was sind Eure Lieblingstexte, die immer wieder einmal auf Eurem „Speiseplan“ stehen?

2 Antworten zu “„Slow food“ für Geist und Seele

  1. Was sind Eure Lieblingstexte, die immer wieder einmal auf Eurem „Speiseplan“ stehen?
    Dies möchte ich ihnen gerne mitteilen, lieber Herr Haak.
    Es sind nicht etwa Krimis, 500 Seiten Romane o.ä.
    Es sind Ihre Bücher (z.B. 99 Gründe das Leben zu feiern), die mich zur Ruhe kommen, nachdenken und auch herzhaft lachen lassen, in denen ich mich oft genug wieder finde und in die ich viele Notizen und Anstreichungen mache. Ich lese sie in Häppchen und die Kapitel so zu sagen per Zufallsgenerator. Diese Texte haben schon manches nächtliche
    Grübeln in ein dankbares Lächeln verwandelt.
    Auch Gedichte und Aphorismen mag ich sehr, denn sie haben manchmal eine ganze Welt inne und das in nur wenigen Sätzen, sie führen durchs Leben und rücken manches wieder ins rechte Licht.
    Herzliche Grüße
    Britta S.

    .

  2. Lieber Rainer. Ein netter Bericht, wie ich finde. Allerdings ist es mit dem Schaffen der Freiräume im Urlaub nicht getan. Diese gilt es, sich täglich zu schaffen und besonders achtsam zu bleiben mit den Anforderungen an uns, denen wir uns doch selber oft genug selber stellen, mit denen wir uns oft genug selber unter Druck setzen. Mein Vorschlag: Entschleunigung. Und zwar in vielen Bereichen. Ausmisten und aussieben. Das sind vielleicht aber auch die Schlüsse, die ein Mensch zieht, der langsam älter wird und bereits auf viel Erreichtes blicken darf. Liebe Grüße und danke für deine wöchentlichen Impulse. Jonathan

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