Vom Sinn des Lebens

Was ist der Sinn des Lebens? Das fragen sich die Menschen schon, seit sie über ihr Leben nachdenken können. Und es gibt unzählige Antworten auf diese Frage.

So wie ich die Botschaft Jesu verstehe, ist der Sinn des Lebens: Leben. Intensives Leben. Lebendigkeit. Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Johannes 10,10).
Der amerikanische Autor und Psychotherapeut Scott M. Peck sagt dazu: „Fülle. Welch wunderbares Wort! Dieser seltsame Mann, der offensichtlich ein Faible für Hochzeitsfeste und Wein, für edle Öle und gute Gemeinschaft hatte, und der dennoch zuließ, dass man ihn tötete, kümmerte sich nicht so sehr um die Länge des Lebens wie um die Lebendigkeit des Lebens.“ (Peck, Die Lügner)

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Bernd Wachtmeister / pixelio.de
Der Sinn des Lebens ist die Lebendigkeit? Mancher wird da widersprechen. Der Sinn ist doch, zu arbeiten und etwas aufzubauen, Kinder großzuziehen, den Mitmenschen zu helfen, etwas Großes zu leisten. Oder Buße zu tun, in der Bibel zu lesen, den Glauben weiterzugeben. Wirklich?

Wahrscheinlich haben die meisten Menschen Angst vor wirklicher Lebendigkeit. Und geben lieber den Glauben weiter – ohne selbst lebendig zu sein. Und bauen etwas auf – ohne Leben. Und tun Buße – ohne die Fülle des Lebens zu suchen. Oder wollen Spaß haben – aber kein Leben.

Ich formuliere die Botschaft Jesu deshalb so: Kehrt um – zum Leben. Wachset im Glauben – damit ihr lebendig werdet. Und lasst alles los, was euch daran hindert, lebendig zu sein – eure Selbstbezogenheit, eure inneren Verletzungen, eure falschen Glaubenssätze („Ich muss immer brav sein“) und eure Luxuswünsche.

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon sagte im 2. Jahrhundert: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch.“ So will ich Gott die Ehre geben!

8 Antworten zu “Vom Sinn des Lebens

  1. … dazu geht mir noch durch den Kopf, dass die „steckengebliebene, noch nicht zur Fülle gekommene Umkehr“ bestimmt ein menschliches, häufig vorkommenden Erfahrungsphänomen ist: So wie die Sichtweise, für mich doch alles selbst am besten zu wissen – anstatt im Vertrauen zu dem, der mich liebt, die ganzen Schritte zu gehen und ihm die Liebe, die er für mich empfindet, das „Gutmeinen“ auch zu glauben: Diese Liebe Gottes für mich anzunehmen, entgegen meiner eigenen „Besserwisserei“, führt immer wieder dazu, dass die „Fülle“ in das Leben kommt – manchmal auch anders, als ich es mir selbst als Lebensplan zurechtgelegt habe. Aber wenn diese Liebe Fuß fasst, dann entstehen Lieder wie „Amazing Grace“ und „Nach dem Dunkel kommt ein neuer Morgen …“ und werden in meiner Erinnerung an sie in ihrer Bedeutung fühlbar und lebendig und verstanden … Ich bin dankbar dafür, durch einen jahrelangen Rückblick auf meine Lebensjahre, sowohl die „Glaubens-distanzierten Zeiten“ als auch die „mit Glauben erfüllten Zeiten“ vergleichen zu dürfen, und auch zu sehen, wohin die Wege der „Distanz und aufgegebenen Umkehr im Gefühl, ein weggewehtes Samenkorn zu sein …“ und die Wege zu Gott zurück geführt haben … und dass Gott immer ein treuer Begleiter war und ist – die Zeiten der „ganzen Umkehr zu Gott“ aber haben eine Qualität, die ich als „lebendigen, erfüllten, alltagstauglichen Glauben“ vorziehe. Das Brot vermehrt sich beim Verteilen … LG, Rotraud P.S.: (Ich will den Blog nicht sprengen, farbenfroher wäre dieser Text natürlich mit den dazugehörigen Erlebnissen)

    • Liebe Rotraud, du sprengst den Blog nicht, keine Angst! Gerade die persönliche Erfahrung ist so wichtig. Danke, dass du sie mit uns teilst. Ich stelle fest, dass Menschen, die im Glauben auf ein Auf und Ab zurückblicken können, oft eine ganz andere Tiefe erreicht haben. Eins ist mir beim Thema „Umkehr“ noch wichtig: Ich werde beschenkt und herausgefordert! Beschenkt von Gott, weil seine Liebe mich verändert! Und herausgefordert, weil ich seine Liebe in allen Bereichen zulassen muss, und das fällt oft schwer! (Für die schwersten Trümmer kann auch eine Therapie notwendig sein.) „Umkehr“ kann nie heißen, vor dem Leben wegzulaufen, sondern zum Leben hin. Ich freue mich über deinen Weg.

  2. die Freundliche

    Liebe Rainer,
    vorhin hatte ich einen Kommentar verfaßt, doch er war weg bevor ich ihn abschicken konnte.
    Den Sinn im Leben sehe ich ergänzend zu dem Gesagten in der Weiterentwicklung des Bewußtseins. Persönlich für mich bedeutet das, Weiterentwickeln zu mehr Liebe im Leben. Was jeweils zu entwickeln ist, hängt sicher auch vom Enneagramm Typus ab.
    Kleiner Buchtipp: „Der Sinn des Lebens“ bei dtv.
    Liebe Grüße Die Freundliche

    • Danke für den Hinweis. Da könnte eine spannende Diskussion entstehen zur Frage: Wie komme ich denn zu mehr Leben, zu mehr Lebendigkeit?
      Ja, das ist wohl bei jedem anders, wie Du schon mit dem Enneagramm Typus andeutest (das Enneagramm ist ein spirituelles Modell der Selbsterkenntnis).

  3. lieber rainer

    ein interessanter gedanke. wobei mir dabei die ‚moralisch, ethische‘ qualität des lebens fehlt. ich habe gestern nacht eine interessante doku über den 1. weltkrieg im tivie gesehen. was mich erschrak: für viele überlebende soldaten war es eine frage des ‚über’lebens, andere menschen zu töten. ein grausamer und furchtbarer gedanke. ich wage zu postulieren: jeder, der überzeugend lebt muss nicht zwingend ein gutes leben leben. wie gesagt: mir fehlt hier die ethisch-moralische komponente, die wertigkeit eines ‚guten‘ lebens… wobei: was tatsächlich gut oder schlecht ist darf getrost zu späterer zeit bewertet werden, wenn überhaupt. dem möchte ich abschließend hinzufügen, was ein guter freund neulich sagte: ich muss nicht wohltun, um gott zu gefallen, sondern weil ich gott gefalle, darf ich wohltun… auch ein interessanter gedanke, wie ich finde… in diesem sinne. liebe grüße. jonathan

    • Danke für Deinen Kommentar. In „GlaubensSplitter“ kann und will ich immer nur einen kleinen Splitter oder Gedanken weitergeben. Du fügst einen weiteren Splitter oder Gedanken dazu. Ich freue mich, wenn noch viele weitere mitmachen. So wird aus mehreren Splittern eine Gesamtschau oder aus vielen Puzzeln ein Bild. Dann ist „GlaubensSplitter“ unsere gemeinsame Seite.

      • Lieber Rainer, beim Wort „Und tun Buße – ohne die Fülle des Lebens zu suchen“ taten sich mir sehr viele Fragen auf, der erste Gedanke war: Ja, gibt es denn Buße ohne Umkehr? Und schließt die Umkehr nicht die Heimkehr zum Vater ein, da ist doch Bewegung, eine Richtung zu dem, der mich liebt, der sich finden lässt, der barmherzig ist und den Weg „zurück“ segnet – für mich ist dieser Weg zum Vater immer wieder ein Weg der Fülle, soviel wird ausgeglichen, bereinigt, heil, Platz wird geschaffen für Freiräume mir Gott – mit anderen und für andere Menschen. Der Weg zu Gott, der Umkehrweg mit Christus, ist doch der Weg, der zu Lebendigkeit führt. Ein „Verharren“ in der Buße ist doch so, als ob man nun z.B. nicht mehr so viel fernsieht, dafür aber Löcher in die Luft starrt – bei der Umkehr zu Gott durch Christus hin, beginnt ein neuer Weg, das ist kein Erstarren.

        Liebe Grüße, Rotraud

      • Danke, Rotraud, für Deine Gedanken. „Der Umkehrweg mit Christus ist doch der Weg, der zu Lebendigkeit führt“, so kann und soll es sein. Warum es oft anders ist? Vielleicht haben wir Angst vor der Lebendigkeit? Vielleicht bleibt unsere Umkehr auf halber Strecke stecken? Vielleicht geschieht sie nur äußerlich? Für mich ist das eine eminent wichtige Frage, die mich in der nächsten Zeit begleiten wird.

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