Ein Ort der Liebe in Berlin

Jenny De la Torre hatte einen großen Traum. Sie stammt aus Peru und hat dort am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn es medizinische Betreuung nur für Wohlhabende gibt. Sie wollte Ärztin werden und auch für die Armen da sein.

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Foto: Dr. Jenny De la Torre Castro

Sie bekam ein Stipendium und konnte in Leipzig (damals noch DDR) Medizin studieren. Als ihr Examen in Peru nicht anerkannt wurde, kehrte sie nach Deutschland zurück. Dort war inzwischen die Mauer gefallen. 1994 bekam sie eine Anstellung und konnte endlich als Ärztin arbeiten – bei den Obdachlosen am Berliner Ostbahnhof. In einem fensterlosen, zwölf Quadratmeter großen Raum behandelte sie Menschen, die teilweise seit Jahren in keiner Arztpraxis mehr gewesen waren. Und vor der Tür wurde die Schlange der Wartenden immer länger.

Da wurde der Traum von Jenny De la Torre konkret: Sie „sah“ vor sich ein Zentrum für Obdachlose, in dem sie willkommen sind, medizinisch behandelt werden, sich duschen können, psychologische Hilfe bekommen und vieles mehr. Ein schöner Traum, aber eben nur ein Traum?

Als De la Torre im Jahr 2002 einen Medienpreis für ihre Arbeit mit den Obdachlosen erhielt – 25.000 Euro – kam sie nicht einen Augenblick lang auf die Idee, das Geld für sich zu behalten. Sie nahm es als Grundstock für eine Stiftung, um ihren Traum verwirklichen zu können. In einem Interview sagte sie einmal: „Für mich ist Gott Liebe. Und Liebe (…) ist eine Kraft.“ (Publik-Forum, 22/2005)

Im September 2006 wurde „ihr“ Gesundheitszentrum in der Pflugstraße 12 in Berlin eröffnet, ein ganzes Haus für die Ärmsten. Ich habe sie im Eröffnungsjahr dort besucht und staunte über alles, was sie dort gegen viele Widerstände erreicht hatte. Das war nur möglich durch Mithilfe von zahllosen Menschen: Firmen spendeten Farben und Material. Handwerker arbeiteten zum Selbstkostenpreis. Ein älterer Unternehmer aus Bayern spendete 100.000 Euro. Das Maxim-Gorki-Theater führte eine Wohltätigkeitsveranstaltung durch. Kirchengemeinden sammelten Geld. Hunderte von Spendern brachten Geld, Lebensmittel, Kleidung, Verbandsstoffe sowie Blumen und Sträucher für den Garten.

Heute arbeiten dort viele Menschen mit, die meisten ehrenamtlich. Eine Augenärztin, ein Internist, zwei Hautärzte, zwei Zahnärzte, eine Friseuse und etliche andere. Es gibt psychologische Hilfe, eine Kleiderkammer, ein Restaurant. Ein Traum wurde wahr. Ein Ort der Liebe ist entstanden, mitten in Berlin.

Wer es selbst sehen und erleben will – am 10. September 2014 sind alle herzlich willkommen zu einem Tag der offenen Tür von 12 bis 17 Uhr.

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