Gottesdienst ohne Gott

An über 100 Orten weltweit treffen sich seit einigen Monaten Menschen zur „Sunday Assembly“, zur Feier ohne Gott. Am 28. September 2014 kamen 36 neue Orte hinzu, darunter auch Berlin und Hamburg.

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Foto: Haak

Meine Frau und ich waren heute in Hamburg dabei.

Die Werbung gefiel uns: „Das Leben feiern“, „aktive Gemeinschaft“, „zum Nachdenken anregen“ und „ansteckende Lebensfreude“. All das würde ich mir für unsere christlichen Gottesdienste auch wünschen.

Etwa 70 Menschen waren ins Schanzenviertel gekommen, die meisten von ihnen jung, sympathisch, erwartungsvoll, locker. Wir sangen Popsongs, hörten verschiedene (meist englische) Texte, wurden zum stillen Nachdenken eingeladen.
Schade – die meisten Texte hatten einen depressiven Grundton und wurden wie im Hörsaal vorgelesen! Da wurde eine Chance vertan. Denn die Sehnsucht der Menschen im Raum war fast mit Händen zu fassen. Das Leben wurde hier nicht gefeiert. Aber auch viele christliche Gottesdienste treffen die Menschen ja leider nicht ins Herz.

Was uns am meisten fehlte? Das war nicht Gott, denn wir sind überzeugt, dass Gott immer und überall bei uns ist, ob wir das wollen oder nicht. Nein, uns fehlte das Licht. Nicht die Kerze auf dem Altar, sondern das Licht Gottes, für das wir uns öffnen können und das die kleinen, flackernden Lichter in unserer Seele wieder hell leuchten lässt.
So hatten wir den Eindruck, dass es in den Menschen hier und in uns selbst dunkel blieb.

Übrigens: Einer der Gründer der Sunday Assembly in England, Sanderson Jones, sagt: „Wenn man an Kirchen denkt, gibt es wenig, das schlecht ist. Man singt dort schöne Lieder, hört Interessantes, denkt darüber nach, wie man selbst besser werden und anderen helfen kann – und das in einer Gemeinschaft mit wunderbaren Beziehungen.“ Nur von Gott hat er sich verabschiedet.
Vielleicht sind seine Worte ja ein Ansporn für unsere Gemeinden, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen – und zusätzlich mit dem Licht Gottes zu rechnen, das hell in uns leuchten will.

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5 Antworten zu “Gottesdienst ohne Gott

  1. lieber rainer… ich stimme dir zu, dass gott uns begleitet, wohin wir auch gehen und wo immer wir sind. ich habe viele gottesdienste musikalisch mitgestaltet. bei den meisten hatte ich den subjektiven eindruck, dass es sich um das abhaken eines kirchlichen termines handelte. bei vielen erlebte ich die gegenwart gottes… letztendlich hatte es, rückblickend betrachtet, auch etwas mit meiner inneren einstellung zu tun…
    lg. jonathan böttcher

  2. Eine wunderbare Chance, Menschen kennenzulernen, die zu viele offene Fragen und Verletzungen haben, als dass sie noch an Gott glauben können/mögen. Und zu sehen, dass auch sie um Sinn und Hoffnung ringen!

  3. Hallo Rainer, auch ich finde deinen Bericht interessant.Danke dir. Schon seit ein paar Wochen grüble ich ebendalls über eine andere Gottesdienstform nach. Die üblichen Messteile (kyrie, gloria, sanctus, agnus dei und benedictus) sind nicht mehr zeitgemäss. Mir persönlich gefallen zwar die liturgischen Messteile, aber ich glaube 95% unserer Mitbürger können damit nichts anfangen. Ich bin oft in USA und besuche dort die Gottesdienste. In San Francisco bin ich schon oft in der GLIDE Church Gast gewesen (2 GD am Sonntaf um 9 a.m. Und 11 a.m), bis zu 3000 Besucher jeden Sonntag. Die GLIDE CHURCH nennt ihren GD auch nicht GD , sondern „Celebrations“. In Chicago ist meine Lieblingskirche die „First Church of Deliverance“ im schwarzen Süden von Chicago, charismatisch ausgerichtet. Und in Los Angeles besuche ich Bobby Schuller, den du jeden Sonntag um 10.30 Uhr auf Tele 5 sehen kannst. Ich war vor ein paar Wochen bei Bobby Schuller, habe ihn persönlich sprechen können und werde im nächsten Frühjahr wieder hinfahren. Schuller spricht auch nicht von GD, sonder von „Hour of Power“.
    Warum schaffen es unsere deutschen Geistlichen es nicht, solche „Gottesdienste“ auf die Beine zu stellen? Liegt es am Kirchenbeamtentum?
    Liebe Grüsse an dich
    Reinhard

    • Lieber Reinhard, danke, dass du deine Gedanken zu diesem Thema mit uns geteilt hast. Von ähnlichen Vorstellungen und Träumen höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass sich auch bei uns etwas tut!
      Wer neu ist bei GlaubensSplitter, findet weitere Anregungen in dem Beitrag „Inspirierende Gottesdienste“ vom 27.Juli.

  4. danke für den Bericht – hatte bis jetzt nur davon gehört, konnte mir aber nichts darunter vorstellen

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