An der Quelle

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Foto: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de

Vor einigen Tagen hatte ich einen sonderbaren Traum. Ich habe ihn gleich aufgeschrieben:
Durstig irrte ich in einer mir fremden Wildnis umher auf der Suche nach Wasser. Nach einiger Zeit kam ich an den Rand einer Anhöhe, wo mich ein wunderbarer Blick hinunter ins Tal erwartete. Dort unten erblickte ich einen herrlichen Wasserfall. An der Stelle, wo er in den Fluss stürzte, glitzerten unzählige Wassertropfen in der Sonne in den Farben des Regenbogens. Was für ein Bild!
Doch als ich näher hinsah, entdeckte ich eine große Mauer vor dem Fluss. Davor standen zahllose Menschen, einige mit Krügen in der Hand, die von Soldaten daran gehindert wurden, Wasser zu schöpfen und zu trinken. An einer Stelle sah ich eine lange Reihe Tankwagen, die passieren durften, um im Fluss Wasser zu tanken. Und ich entdeckte riesige Rohre, die vom Fluss fortführten. Etliche der wartenden Menschen kehrten enttäuscht und ohne Wasser wieder um.
Ich entschied mich, gar nicht erst hinunter zu gehen, sondern blieb auf der Anhöhe und setzte meine Wanderung in einem angrenzenden Wald fort. Nach langer Zeit hörte ich plötzlich einen wunderbaren Gesang. Es war eine Mischung von alten Stammesgesängen, von religiösen, mir vertrauten Liedern und den Hoffnungsliedern der schwarzen Sklaven. Ich folgte der Richtung des Gesangs und kam schließlich zu einer Gruppe Menschen, die fröhlich und angeregt um eine Quelle herum saßen.
Sofort wurde ich eingeladen, mich dazuzusetzen. Es kreisten einige Schöpflöffel aus Holz, aus denen jeder das klare Quellwasser trinken konnte.
Mehr und mehr Menschen kamen hinzu – wohl auch solche, die unten am Fluss abgewiesen worden waren. Alle waren willkommen und konnten von der Quelle trinken. Ich war glücklich und hatte das Gefühl: Hier habe ich alles, was ich brauche.

Nun bin ich kein Traumexperte. Aber ich hatte bald eine Interpretation für die Traumbilder parat: Der Fluss wird abgeriegelt von denen, die mit dem Wasser Geschäfte machen wollen. Dort gibt es Mauern, Abgrenzungen und die Gefahr zu verdursten. Wer nur Geschäfte machen will auf Kosten anderer, schafft Unfrieden. Auch in der eigenen Seele.
An der Quelle dagegen werden alle satt. Sie müssen nichts für sich behalten und „bunkern“ (Rohre, Tanklastwagen, Mauern), sondern können teilen und spüren dabei, dass sie alles haben, was sie brauchen. Sie leben mit sich und ihren Mitmenschen in Frieden, obwohl sie sehr unterschiedlich sind (verschiedenartige Lieder). Dort an der Quelle, in Liebe und Bescheidenheit, lässt es sich gut leben.

Meine Frau hörte sich diese Interpretation an, ein wenig skeptisch, dann fragte sie: „Du beschäftigst dich so intensiv mit Glauben und Kirche – kann dir der Traum nicht gerade dazu etwas sagen wollen?“
Ich bekam einen großen Schreck. Könnte es sein, dass wir in der Kirche Mauern bauen, uns gegen andere abgrenzen und Menschen verdursten lassen? Wenden sich Menschen enttäuscht von uns ab, weil sie daran gehindert werden, zum erfrischenden Wasser zu gelangen?
Jesus sprach von lebendigem Wasser. Das habe ich im Traum an der kleinen Quelle im Wald gefunden. Und dort habe ich das erlebt, wonach die meisten Menschen sich sehnen: Frieden, Gemeinschaft und Liebe.

Na ja, zum Glück war es ja nur ein Traum. Und trotzdem geht das Bild von den fröhlichen Menschen an der Quelle nicht mehr aus meinem Kopf und aus meinem Herz.

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3 Antworten zu “An der Quelle

  1. Zu diesem Traum habe ich auch eine Interpretation – sie geht allerdings nicht in Richtung „Mauern in Kirchen“, sondern der Frage nach mit dem lebendigen Wasser – statt eines Traumes hatte ich die Tage ein Gespräch in den letzten Tagen mit einer langjährigen Freundin: Wir kamen im Gespräch darauf, dass ich ihr erzählte, in meinem Leben das lebendige Wasser im Kontakt mit Jesus zu haben und dadurch so eine tiefe Zufriedenheit geschenkt bekommen zu haben, so einen unglaublich tiefen Frieden – beim Nennen des Namens Jesu Christi änderte sich die Atmosphäre radikal, sie sagte vehement, das lebendige Wasser bekomme sie auch in ihren esoterischen Meditationsgruppen, und sie glaube nicht, dass Gott sich auf Jesus reduzieren lasse, er sei doch viel größer. Da überkam mich ein Frösteln. Und mir ging auf, wie sehr sie schon immer in Esoterik, spirituell angehauchten Gruppen, esoterischen „Engelspraktiken“ etc. nach Gott, Glück und Frieden gesucht hatte – und wie teuer dies alles auch war und ist, weil diese Seminare und Gruppen kosten immer richtig viel. Am nächsten Tag sprach ich wieder mit meinem Kollegen, der seine Frau an einen esoterischen Guru verloren hat – auch sie war auf der Suche nach Wahrheit und lebendigem Wasser gewesen – und lässt sich das viel kosten und ist schon ganz verschuldet! Ich glaube, dass in unserer Zeit viel Geld gemacht wird mit der Sehnsucht der Menschen nach Wahrheit, Frieden, Liebe, letztendlich nach Gott, der sich in seiner Liebe in Jesus offenbart hat – und sich so gerne in ihm zeigen und erkennen/finden lassen will – und ich merke, wie extrem unwirsch diese Menschen auf den Namen Jesus Christus reagieren, als ob sie gerade ihn nicht kennenlernen – sollen (?)

    Aber gerade diese Menschen brauchen unser Gebet und Liebe, Gottes Wort in Predigten, ausgesprochen, wie auch immer – es hat eine große Kraft, die immer wieder Klarheit und Wahrheit bringt, wie sehr Gott die Menschen liebt, – egal in welcher Kirche! Gott spricht oft überraschend zu den Menschen, die auf derSuche sind, oft anders, als es z.B. meiner Logik entspricht.

    Übrigens wurde mir, abgesehen wie ich damals zu Kirchen stand, eine Gruppe mit lebendigen Christen geschenkt. Gemeinsam dürfen wir Gottes Willen erfragen, Gemeinschaft und Liebe untereinander lernen und pflegen. Denn das ist es, was uns am glücklichsten macht: Gott zu kennen und mit ihm Kontakt haben zu dürfen, seinen Willen erfragen zu dürfen und die Kraft und Liebe von ihm geschenkt zu bekommen hierfür – nichts gibt mehr Frieden als Gottvertrauen und Jesus selbst. Meine alten Wunden, auch Kirchenwunden, heilen allmählich (ich habe jetzt sogar eine doppelte Kirchenmitgliedschaft in der Landes- und einer Baptistenkirche, und das ist ganz wunderbar für uns alle), und das lebendige Wasser im Kontakt und Blick auf Christus fließt in meinem Leben, dessen Fülle ich ihm verdanke.

  2. Der Traum – ein Film, den ich beim Lesen soeben gesehen habe – für den ich mir Zeit zum Nachsinnen nehmen werde. Ein Film mit Tiefgang. Danke fürs teilhaben lassen.

  3. „Könnte es sein, dass wir in der Kirche Mauern bauen…?“ Allerdings, das könnte nicht nur so sein, dass ist so.
    Seit nun schon längerer Zeit wenden sich Millionen Christen u.a. auch aus diesem Grund von den institutionellen Kirchen ab und bilden kleine Gruppen, die darauf abzielen, nicht wieder institutionell zu werden. Wo die Beziehungen, zu Gott und untereinander, wichtiger sind, als Formen und Einmütigkeit in Lehrfragen.
    So gesehen ist das nicht nur dein Traum, real findet es auch um uns herum an vielen Stellen bereits so statt.

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