Du kannst nicht tiefer fallen

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Grace Winter  / pixelio.de

„Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“, diese Zeile ist für viele Menschen ein Trostwort gerade in ihren dunkelsten Stunden. Weiten Kreisen bekannt wurde dieses Wort in den letzten Jahren durch Margot Käßmann, die es während ihrer Krebserkrankung und später bei ihrem Rücktritt als Bischöfin zitierte.

Ein schöner Satz. Doch was kann er für uns bedeuten?

Es heißt sicher nicht, dass Gott uns vor allem Leid schützt. Ein Leben ohne Schmerz und Leid gibt es nicht.
Es heißt auch nicht, dass uns nichts zustößt oder dass sich all unsere Träume und Wünsche erfüllen. Leben ist immer ein Wagnis. Und Leben ist nie gerecht.

Was dann?

Dieses Wort ist die Zusage, dass uns die Angst nicht überwältigen wird. Dietrich Bonhoeffer schrieb im Gefängnis kurz vor seinem Tod das bekannte Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. So hat er sein Vertrauen ausgedrückt, im Leben und im Sterben nicht allein zu sein. Das ist Vertrauen statt Angst.

Vertrauen kommt meistens nicht von heute auf morgen. Vertrauen wächst oft sehr langsam. Und es kann dauern, bis wir aus vollem Herzen sagen können: Schon heute ist Gott mir nahe. Schon heute hält er mich in seiner Hand. Schon heute bin ich von seiner Liebe umgeben.
Wenn wir beten, öffnen wir uns für diese Nähe Gottes. Beten heißt, in seine Liebe einzutauchen. Beten heißt, ihn einzuatmen und uns sein Leben einhauchen zu lassen. Beten heißt, Vertrauen einzuüben.

Vertrauen statt Angst, das ist die Kurzfassung unseres Glaubens. Nichts wird heil in unserem Leben und im Zusammenleben, solange wir von der Angst bestimmt sind: Angst vor der Krankheit, Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit, Angst vor dem Fremden, Angst vor Zurückweisung, Angst vor dem Tod.

Vertrauen statt Angst, so wird unser Leben gelingen. Doch manchmal kann die Angst zurückkehren. Ein Unfall, ein Abschied, eine Drohung, nagender Zweifel. Nein, nicht Gott lässt mich fallen. Ich selbst lasse mich fallen, überwältigt von der Dunkelheit, wenn ich sein Licht nicht mehr sehen kann.

Dann kann uns der Text von Arno Pötzsch (geschrieben im Krieg 1941) vielleicht helfen, Vertrauen zurückzugewinnen oder uns zu vergewissern:
„Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“
Oder wie Rainer Maria Rilke schrieb:
„Und doch ist da einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Ist das alles? Vertrauen auf einen Gott, den wir nicht sehen können? Glauben an gute Mächte, die uns doch nicht vor Schmerzen bewahren?
Ja, das ist „alles“.
Mehr als „alles“ ist nicht möglich: In Gottes Hand haben wir alles, was wir brauchen. Das ganze wunderbare, verrückte Leben.

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3 Antworten zu “Du kannst nicht tiefer fallen

  1. Ich habe es selbst erlebt, ich bin gefallen…….immer tiefer ins ungewisse Dunkel……..immer tiefer…..und dann war sie auf einmal da – die Hand, die mich aufgefangen, getragen und getröstet hat!

  2. Marlene Lotzemer-Jentges

    Sehr tröstliche Gedanken, wenn es einmal schwer ums Herz ist.

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