Marathon der Hoffnung

Statue of Terry Fox Thunder Bay
Statue of Terry Fox Thunder Bay
© photoblueice  – fotolia

Heute genau vor 35 Jahren begann in Kanada ein Lauf, der als „Marathon der Hoffnung“ in die Geschichte des Landes eingegangen ist.
Am 12. April 1980 begann Terry Fox seinen Lauf an der Ostküste Kanadas. Heute gilt er in dem Land als Nationalheld, auf den die Menschen dort stolz sind.
Ich war im Jahr 1981 in Kanada und informierte mich über die Hintergründe. Im Herbst des Jahres schrieb ich den folgenden Bericht:

Bis zum Alter von 18 Jahren war er ein Junge wie jeder andere. Er hatte seinen Freundeskreis, spielte begeistert Basketball und hatte große Zukunftspläne.
Dann machen die Ärzte eine schreckliche Entdeckung: Die Schmerzen in seinem rechten Knie haben keine harmlose Ursache; Terrence Stanley Fox hat Krebs. Sein rechtes Bein muss amputiert werden.
In der Nacht vor der Operation hat Terry einen Traum, von dem er später noch oft erzählen wird. Er hat den Traum, mit einem Bein quer durch sein Heimatland Kanada zu laufen. Tausende von Kilometern.

Sechs Wochen nach der Operation ist er bereits wieder auf, eine langwierige Behandlung beginnt. Terry treibt bald wieder vorsichtig Sport, mit einer Beinprothese. Und jeden Tag quält ihn die furchtbare Frage: „Ist der Krebs durch die Amputation gestoppt?“
Nach 16 Monaten, in denen er unglaubliches Leid und viele Tragödien Krebskranker miterlebt hat, wird er als „geheilt“ entlassen. Fast zwei Jahre nach seiner Operation beginnt Terry zu trainieren, damit sein Traum Wirklichkeit werden kann: der Lauf quer durch Kanada. Am ersten Tag schafft er nicht mal einen Kilometer, nach acht Monaten Training sind es bereits über zwanzig. Insgesamt läuft er über 5000 Kilometer, um sich auf den „Marathon der Hoffnung“ vorzubereiten; er stemmt Gewichte und experimentiert mit verschiedenen Beinprothesen.

Terry schreibt einen Brief an die „Kanadische Krebsgesellschaft“ und kündigt seinen Lauf an. Er möchte damit Menschen motivieren, Geld zu spenden für die Krebsforschung. Er möchte den vielen Krebskranken Mut machen. „Irgendwann muss das Leid doch einmal ein Ende haben“, schreibt er am Ende seines Briefes.
An einem Samstag ist es soweit! An der Ostküste von Kanada taucht Terry Fox seine Prothese in den Atlantischen Ozean. Sein „Marathon der Hoffnung“ kann beginnen. 8500 Kilometer bis Vancouver im Westen des Kontinents liegen vor ihm.

„Ich will zeigen, dass es auch so geht“, sagt Terry. „Ich will anderen Menschen Mut machen und Hoffnung geben.“
Zwei Freunde begleiten ihn mit einem Lieferwagen, der nachts als Schlafquartier dient. Schnee, Sturm und Kälte setzen ihm hart zu, sein Beinstumpf schmerzt bei dieser Beanspruchung unvorstellbar, und trotzdem schafft Terry an den meisten Tagen 40 bis 50 Kilometer.

Das Interesse am „Marathon der Hoffnung“ wächst. In den Ortschaften erwarten ihn die Menschen, applaudieren und feuern ihn an; Zeitungen und Fernsehstationen werden auf ihn aufmerksam. In Toronto bereiten ihm, drei Monate später, zigtausende Menschen einen begeisterten Empfang.

Es ist unbeschreiblich heiß für diesen Lauf, jeden Tag über 30 Grad! Aber Terry gönnt sich keine Pause, auch nicht an seinem Geburtstag. Sechs Wochen später wird Terry von einem starken Husten gepackt. Die Diagnose des Arztes ist niederschmetternd: „Keine Erkältung, sondern Krebs! Beide Lungen!“ Sein Marathonlauf ist endgültig beendet, nach fast 5500 Kilometern. Ganz Kanada ist entsetzt. Es gibt nur noch ein Gesprächsthema: Terry Fox und sein „Marathon der Hoffnung“.
Terry-Fox-Fernsehsendungen rufen zu Spenden auf. In allen Teilen des Landes wird Geld gesammelt. 24 Millionen Dollar kommen schließlich zusammen für den Kampf gegen den Krebs.

Die Ärzte können Terry nicht mehr helfen. Zehn Monate später stirbt er. Die Beerdigung wird ein nationales Ereignis. Im ganzen Land läuten die Glocken. Kanada hat seinen Nationalhelden: Ein junger Mann voller Idealismus lehrt eine Nation das Hoffen. Er selbst gab keinen Augenblick die Hoffnung auf und machte unzähligen Menschen Mut. Terrys Marathonlauf ist beendet. Der „Marathon der Hoffnung“ geht weiter …

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