Ein Priester wirft das Handtuch

Get More Likes, message on the sky.

Foto: Chen PG – fotolia

Vor ein paar Tagen berichtete die Tageszeitung „Die Welt“ (hier klicken) von dem katholischen Pfarrer Thomas Frings, der zu Ostern 2016 seine Gemeinde in Münster verlässt, um ins Kloster zu gehen.

WARUM TUT ER DAS?

Nein, es geht nicht um eine Frau! Nein, er zweifelt nicht an seinem Glauben und an der Kirche! Er zweifelt an den Menschen, die nicht mehr zu ihm kommen. Oder die immer seltener kommen.

Pfarrer Frings zählt regelmäßig die „Likes“ auf der Facebookseite seiner Heilig Kreuz-Gemeinde. Passend am Karnevalssonntag in diesem Jahr kam das 1111te. Darüber freut er sich, aber es reicht ihm nicht. Er will die Leute nicht nur auf Facebook, sondern in seiner Kirche. Doch dort tauchen die Gemeindeglieder immer seltener auf. Die Zahlen gehen nur in eine Richtung, nach unten.

Besonders ärgert ihn die Anspruchshaltung. Wenn die Leute schon mal kommen – zu Hochzeiten, Taufen, Weihnachten, erwarten sie einen besonderen Service. Verbittert ätzt er: „Selbst kleine Bitten, wie z.B. das Kaugummi rauszunehmen, das Fotografieren zu beschränken, die Baseballkappen abzunehmen … werden mit Unverständnis und drohendem Kirchenaustritt kommentiert.“ (der ganze Text seiner persönlichen Erklärung: hier klicken)

ICH VERSTEHE IHN NICHT!!!

Ich muss gestehen, dass ich ihn nicht verstehe. Was wünscht er sich? Will er, dass sich die Massen um ihn versammeln? Er, der beliebte Gemeindehirte? Vielleicht so wie das sein Großonkel, der berühmte Kardinal Frings von Köln noch erlebt hatte, der nach dem Zweiten Weltkrieg von einem katholischen Europa träumte? (hier klicken)

Ich würde ihn verstehen, wenn er ausgebrannt wäre. Wenn er neue Begeisterung im Glauben suchen würde. Aber nein, er macht seiner Gemeinde mit seinen Ausführungen deutlich, dass es allein an ihr liegt. Nach dem Motto: Die Kirche ist gut, nur mit den Christen stimmt etwas nicht!

VIELLEICHT VERSTEHE ICH IHN DOCH???

Wer will nicht glänzen? Das wollen wir doch alle, ich auch. Wer will nicht viele „Likes“, viele Anhänger, viele Freunde? Ich verstehe ihn. Viel zu gut!
Nur mit Glauben, mit Jesus, hat das nicht mehr viel zu tun. Im Gegenteil! Jesus ist nicht ins Kloster geflüchtet. Jesus hat nicht versprochen, dass die Massen strömen, wenn wir rufen. Jesus war den vielen Suchenden, Verzweifelten, Zerbrochenen nah, und ließ sich durch nichts davon abhalten, die Menschen zu lieben.

DIE ALTE KIRCHE GIBT ES NIE WIEDER

Er hat natürlich recht: Es geht bergab mit der Kirche. Ja und? Weglaufen? Vielleicht tut es ihm gut, Zeit im Gebet zu verbringen und neu aufzutanken. Aber nicht für die „alte“ Kirche. Die Sehnsucht nach Gott ist größer denn je. Doch die Menschen suchen sich inzwischen selbst aus, wo sie Antworten suchen.

2 Antworten zu “Ein Priester wirft das Handtuch

  1. Thomas Frings

    Lieber Herr Haak,
    das mit den 1111 Likes bei Facebook würde meine Gemeinde in der Mitte Westfalens anders abbuchen als Sie es tun, wobei Sie ja nicht Unrecht haben. Aber meine Gemeinde bucht das ab unter „Rheinländer“ 😉
    Zu Ihrem Kommentar möchte ich aber gerne etwas sagen, auch wenn das zu dem Zählen wie bei den Likes ´gezählt´ werden kann. Mir geht es jedoch nicht darum, dass ich die Menschen um mich versammle – obwohl – es hat mich schon gefreut, dass der Gottesdienstbesuch hier in der Gemeinde in den letzten Jahren um 30% gestiegen ist. Da liegt also gar nicht der Grund für meinen Schritt. Sogar das Durchschnittsalter bei den Mitfeiernden lag unter 50 Jahre. Aber mein Ziel ist es gar nicht, die Menschen am Sonntag in die Kirche zu bekommen, steht doch im Evangelium, wir sollen die Menschen zu Jüngern machen und nicht, sie in der Kirche versammeln. Manche Kommentare drehen sich ausschließlich, wie so meist in der Kirche, um die Sonntagsmesse und ihre Besucherzahlen, als ob das ein Indikator wäre für den christlichen Zustand einer, unserer Gesellschaft. An dieser Stelle – Taufe und Erstkommunion – stört mich ausschließlich der innere und äußere Widerspruch zwischen dem, was den Kindern versprochen wird und dem, was davon gehalten wird. ich wäre ja glücklich und dankbar, wenn Eltern ihren Kindern und mir sagen würden, dass sie mit dieser Form des Glaubens nun ehrlich nichts anfangen können. Das wäre doch mal ein Startpunkt, um nach Formen zu suchen, die im Leben der Menschen wirklich andocken und wirken könnten. Nur die tote, ungeliebte Tradition tut es eben nicht und leider wollten auch die Menschen nicht von der Tradition lassen, haben wir hier in der Gemeinde doch zahlreiche neue Wege gesucht und angeboten. Es wird so sein, dass man mit der Kirche Traditionen in Verbindung bringt. Es sind jedoch aus meiner Erfahrung besonders die Fernstehenden, die gerade dies beklagen und gleichzeitig vehement einfordern.
    Für meinen Schritt gibt es aber in meiner Erklärung noch einige Gründe mehr, aber in den meisten Kommentaren geht es ausschließlich um die Erstkommunion. Es scheint wohl so zu sein, dass Kirche eben doch nur am Sonntagmorgen stattfindet.
    Herzliche Grüße,
    Ihr
    Thomas Frings

    • Lieber Herr Frings,
      danke für Ihre Erklärung. Sie wirken traurig und enttäuscht, wenn Sie von der Kirche (und den Menschen) sprechen. Das kann ich nachvollziehen.
      Sie sind ratlos. Auch das verstehe ich.
      Vielleicht tut Ihnen eine Auszeit gut – so wie ich den meisten Menschen in der Lebensmitte oder danach die Möglichkeit zum Umdenken und Neuanfang wünschen würde. Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht.
      Worum geht es beim Glauben? Meine „einfache“ Antwort: Es geht um Gottes Licht und Liebe und um Vertrauen ins Leben. Wenn das im Gottesdienst geschenkt wird – wunderbar! Ich erlebe es dort höchst selten.
      Vielleicht werden Ihnen die Augen und das Herz für neue Wege geöffnet. Das wäre spannend und ermutigend! Ich wünsche es Ihnen so sehr.
      Herzlich
      Rainer Haak

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