Ein neuer Blickwinkel

 

Nordsee - Blick auf das Meer
Fotolia © pia-pictures

Wenn ich eine andere Welt entdecke, in mir oder außerhalb, wenn ich einen neuen Blickwinkel finde und Dinge wahrnehme, die meinen Augen (oder meinem Herzen) bisher verborgen waren – das sind absolute Highlights. Ein Beispiel gefällig?

Eine andere Welt

Fotografieren war schon immer sein Hobby. Bereits vor vielen Jahren, so kann ich mich erinnern, hatte er stets seine Fotoausrüstung dabei, wenn er mit dem Kanu oder zu Fuß irgendwo in der „Wildnis“ unterwegs war.
Ganz besonders liebte er das Wasser und das Meer. Er paddelte gern auf den Seen und Flüssen Schwedens, dort, wo mehr Wildtiere als Menschen anzutreffen sind. Aber immer wieder kehrte er zur Nordsee zurück, zu den Inseln und Gezeiten und der Tier- und Pflanzenwelt dort.
Es war für mich immer ein kleines Ereignis, wenn er von seinen Fahrten und Reisen berichtete. Das lag vor allem an den Bildern, die dabei an die Wand projiziert wurden und tiefe Eindrücke bei mir hinterließen. Diavorträge, so nannte man das damals.

Heute fotografiert er immer noch. Und wie! Kürzlich traf ich ihn wieder – auf einer Fotoausstellung. Seiner Fotoausstellung. Dort präsentierte er einige seiner aktuellen Bilder. Sie hatten alle sein großes Thema: Wasser und Strand, Wind und Wetter, Wellen und Licht.
Zuerst betrachtete ich die Fotos so wie damals, als bunte Bilder, die Reiseberichte illustrierten. Doch als ich die Fotos länger und intensiver auf mich wirken ließ, begann sich meine Sichtweise zu verändern. Und im selben Augenblick verwandelten sich auch die Fotos. Es wurde für mich wie ein Blick in eine andere Welt. Vielleicht war es sogar der Blick in meine eigene, innere Welt: Ich war fasziniert von der Weite bis zum Horizont. Ich sah Licht, das den Nebel verzauberte. Ich begab mich auf das Meer, ohne darin unterzugehen. Und ich entdeckte Spuren von Menschen und Tieren, die von der nächsten Welle weggespült wurden.
„Toll, was in deinen Bildern alles zu sehen ist“, machte ich ihm ein ehrlich gemeintes Kompliment.
„Toll, dass du es gesehen hast“, gab mir das Kompliment zurück.

Aus: Rainer Haak, Sieh mal an! © Verlag Herder

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